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Neue Wege des Lebens und Arbeitens

 

Podiumsdiskussion Wirtschaft Barrierefrei in Wien

 

 

2.12.2008, 16.00 Uhr

Palais Eschenbach

 

 

 

Unter großem Publikumsinteresse fand gestern die Podiumsdiskussion "Wirtschaft Barrierefrei - Neue Wege des Lebens und Arbeitens" im Wiener Palais Eschenbach statt.

 

 

Die Diskussionsteilnehmer/Innen auf dem Podium orteten großen Nachholbedarf bei baulichen Maßnahmen in Wien - sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich als auch bei den Wiener Linien. Darüber hinaus sind viele Unternehmen nach wie vor teils durch mangelnde oder falsche Information, teils einfach durch persönliche Resentiments der zuständigen Chef/Innen, nicht bereit, sich mit der Beschäftigung von Menschen mit Einschränkungen auseinander zu setzen.

 

 

Frau Praniess-Kastner, Abgeordnete zum Wiener Landtag, hat bereits neben einer Unterschriftenaktion (Teilnahme unter: www.barrierefreies-wien.at) begonnen, die dringend notwendigen baulichen Barrieren in der Stadt zum einen aufzuzeigen, zum anderen die Initiative zu ergreifen, diese Maßnahmen auch umzusetzen. Ziel für 2009 ist in jedem Fall, die schlimmsten Bausünden aufzugreifen und eine enge Kooperation mit den Bezirksverwaltungen, die für die Umsetzung gewonnen werden sollen.

 

 

Herr Dr. Friedl, AUVA, stellte fünf Gebote zur barrierefreien Wirtschaft vor (siehe unten). Für 2009 wünscht sich Herr Dr. Friedl ein Umdenken im Sinne seiner Gebote.

 

 

Frau Mag.a Rosner-Scheibengraf, WKO Sozial- und Arbeitsrecht, bestätigte zum einen, dass viele Betriebe durch den Kündigungsschutz verunsichert sind und gleichzeitig bei der Förderung von baulichen Maßnahmen zur Barrierefreiheit Wissensdefizite zu beklagen sind und lange Wartezeiten auftreten.

 

 

Frau Mag. Endres - vom Bundessozialamt und für eben diese Förderungen zuständig - weiß, dass es manchmal zu Verzögerungen kommen kann. Dies liege allerdings meist an er Komplexität des jeweiligen Falles, bzw. an den Umfang der Antragstellung und den sich daraus entwickelnden Problemen. Trotz eines gemeinsamen Aufrufes mit der WKO sind verschwindend wenige Unterneher/Innen an das Bundessozialamt herangetreten, um diese spezielle Förderung für barrierefrei Umbauten in Anspruch zu nehmen. Auch Frau Mag. Endes sieht für 2009 weiteren Aufklärungsbedarf.

 

 

Herr Weißhappel, Stellvertretender Leiter Bundessozialamt Landesstelle Wien, stellte fest, dass vonseiten des Bundessozialamtes diverse Einstellungshilfen - neben der finanziellen Unterstützung von Arbeitsplatzadaptierungen - zur Verfügung gestellt werden. Trotz all diesen finanziellen Hilfen erweisen sich vor allem Klein- und Mittelbetriebe als sozial engagiert. Großunternehmen sind  weniger flexibel und leider nach wie vor seltener bereit, über eine Einstellung von Menschen mit Handikap nachzudenken und sich dafür zu entscheiden.

 

 

Herr Dr. Peterleithner, Konzernsprecher TUI Österreich, kennt die Probleme und auch die Wachstumschancen in der Reisebranche. Da es nach wie vor keine einheitlichen Standards gibt, sind Reisende immer wieder unzufrieden, da sie das Versprochene vor Ort nicht vorfinden. TUI selbst bringt jährlich ca. 20.000 Menschen mit Einschränkungen in die gewünschten Urlaubsdestinationen. Das Prospektmaterial dafür liegt allerdings nicht in den Reisebüros auf - bei Interesse muss gezielt nachgefragt werden und bekommt persönlichen Beratung. Viele Betroffene wissen dies allerdings nicht. Zudem ist diese Art der Urlaubsplanung von vielen nicht gewünscht, da man mit potenziellen Mitreisenden nicht in in Ruhe planen und besprechen kann.

Hier verspricht Herr Dr. Peterleitner im Unternehmen für mehr Aufklärung zu sorgen und die Informationsmöglichkeiten deutlich zu verbessern.

 

 

Herr Loisinger, Geschäftsführender Vizepräsident des Österreichischen Sportverbandes, stellte fest, dass bei Sportler/Innen mit Handikap immer von Spenden die Rede ist, während andere Spitzensportler/Innen von Sponsorfirmen unterstützt werden. Gerade bei den Sportstätten ist großer Nachholbedarf im Bereich barrierefreie Gestaltung und Zugang zu verorten - und zwar für Sportler/Innen und Besucher/Innen gleichermaßen. Behindertentoiletten sind, wo vorhanden, so gut wie immer versperrt, obwohl man mit dem Euroschlüssel Unbefugte leicht fernhalten könnte.

 

 

Herr Dr. Huainigg, Behindertensprecher der ÖVP, hatte am neuen Regierungspapier im Bereich Behindertengleichstellung maßgeblich mitgearbeitet und hofft, dass die darin enthaltenen Punkte auch tatsächlich zur Umsetzung gelangen. Ganz sicher wird über den Kündigungsschutz in der nächsten Regierungsperiode verhandelt werden. Hier sind dringenden Veränderungen notwendig.

 

 

Alle Gesprächsteilnehmer/Innen sind sich einig, dass offensichtlich vonseiten der Politik Nachholbedarf bezüglich der Gleichstellung von Menschen mit Einschränkungen gegeben ist. Anders ist es nicht zu erklären, dass Spendenaktionen wie "Licht ins Dunkel" notwendig sind, die zum einen bei der Bevölkerung den beschämenden Eindruck aufkommen lassen: "BEHINDERT IST GLEICH ARM", in zweierlei Hinsicht - finanziell und intellektuell. Zum anderen entsteht der Eindruck, dass die für Hilfsmittel zuständigen Krankenkassen ihrer Aufgabe nicht nachkommen oder diesen durch solche Spendenaktionen die Möglichkeit offen gelassen wird, Antragsteller/Innen an die Spendenverteilung zu verweisen.

 

 

Skurrile Formulierungen, wie z.B der Terminus "Minderleistungsentschädigung", tragen bei Unternehmern auch nicht dazu bei, sich beim Thema Einstellungspolitik von Menschen mit Einschränkungen wohl zu fühlen - denn wer will schon jemanden in seinem Betrieb beschäftigen, wo von vorne herein als sicher angenommen wird, dass die betreffende Person nicht in der Lage ist, die gewünschte Leistung zu erbringen?

 

 

Die Terminologie spielt gerade in Bezug auf unsere Zielgruppe eine entscheidende Rolle. Mit Sprache sorgfältiger umzugehen bedeutet auch, zur Sensibilisierung beizutragen und entscheidende Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen.

 

 

In der Diskussion beteiligten sich unter anderem auch Bundesgleichstellungsanwalt und Alt-Sozialminister Mag. Herbert Haupt, Otto Langbauer von der Caritas, die Bausachverständige für barrierefreies Bauen Kornelia Götzinger, und Pepo Meia von Radio Orange.

 

 

 

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Fünf Gebote zur barrierefreien Wirtschaft

 

 

1. Du sollst Menschen mit Behinderung nicht diskriminieren - nicht in Gedanken, Worten oder Werken!

 

 

2. Du sollst Behinderung nicht mit Berufsunfähigkeit oder Armut gleichsetzen!

 

 

3. Du sollst nicht nur die besonderen Bedürfnisse, sondern auch die besonderen Fähigkeiten von Behinderten beachten!

 

4. Du sollst Menschen mit Behinderung nicht von der Teilnahme an einzelnen Lebensbereichen ausschließen!

 

 

5. Du sollst aktiv dazu beitragen, die Barrieren in den Köpfen und in der Umwelt abzubauen!

 

 

 

 



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